Simulationen sind dann sinnvoll, wenn ihr Verwendungszweck klar definiert ist. Sie eignen sich insbesondere:
zur Entwicklung und Strukturierung von Handelsideen
In diesen Kontexten liefern Simulationen präzise und verlässliche Erkenntnisse.
Ungeeignet sind sie dort, wo Aussagen über reale Belastbarkeit, Disziplin oder Verhalten unter Druck getroffen werden sollen. Simulationen können nicht beantworten, wie eine Strategie unter realem Risiko erlebt, durchgehalten oder infrage gestellt wird.
Auch hier entscheidet die Motivation über den Erkenntniswert:
Simulationen und reale Umsetzung sind daher keine aufeinanderfolgenden Entwicklungsstufen, sondern unterschiedliche Erkenntnisräume. Sie beantworten unterschiedliche Fragen und sollten nicht gegeneinander ausgespielt oder gleichgesetzt werden.
Erst wenn Zweck, Kontext und Erwartung klar getrennt sind, entfalten Simulationen ihren tatsächlichen Nutzen – ohne falsche Schlussfolgerungen zu begünstigen.
Backtesting bezeichnet die rückwirkende Anwendung einer Handelsstrategie auf historische Marktdaten. Ziel ist es, zu überprüfen, wie sich ein festgelegtes Regelwerk in der Vergangenheit verhalten hätte und welche Ergebnisse dabei erzielt worden wären.
Die Überzeugungskraft von Backtests ergibt sich aus mehreren Faktoren:
Backtests wirken dadurch präzise, rational und belastbar. Sie übersetzen eine Strategie in Zahlen und stellen deren Leistungsfähigkeit scheinbar eindeutig dar. Gerade im Vergleich zu subjektiven Einschätzungen oder theoretischen Annahmen vermitteln sie ein hohes Maß an Sicherheit.
Diese Wirkung ist nachvollziehbar – und nicht unbegründet. Backtesting ist ein legitimes analytisches Instrument.
Entscheidend ist jedoch, welche Fragestellung ein Backtest tatsächlich beantwortet – und welche nicht.
Ein Backtest beantwortet eine klar abgegrenzte Frage:
Wie hätte sich ein fest definiertes Regelwerk verhalten, wenn es in der Vergangenheit unter bestimmten Annahmen konsequent angewendet worden wäre?
Er prüft:
Was ein Backtest nicht prüft:
Backtests operieren rückblickend, vollständig und ohne Unsicherheit. Sie kennen den gesamten Datenverlauf und sind frei von Erwartung, Zweifel oder Zeitdruck. Damit liefern sie Erkenntnisse über Struktur und Logik – nicht über reales Handeln.
Im Kontext von Trading, Investmentstrategien und Performance-Darstellungen werden unterschiedliche Analyse- und Testinstrumente genutzt, um Entscheidungen vorzubereiten, Strategien zu bewerten oder Erwartungen zu formen. Diese Instrumente unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrer Methodik, sondern in der Art der Realität, auf die sie sich beziehen. Das Realitäts-Framework dient dazu, diese Unterschiede klar einzuordnen. Es beschreibt keine Qualitätsstufen und keine Abfolge, sondern unterschiedliche Erkenntnisräume, die jeweils eigene Fragestellungen beantworten – und eigene Grenzen besitzen.
1. Demokonten – Entscheidung ohne realen Wert Demokonten bilden Entscheidungen unter realistischen Markt- und Systembedingungen ab, jedoch ohne reale Wertbindung. Sie erlauben Lernen, Orientierung und Funktionsverständnis, treffen jedoch keine Aussage über Verhalten unter realem Entscheidungsdruck.
2. Simulation & Strategietests – Strategie ohne reale Belastung Simulationen prüfen die logische Funktionalität von Regelwerken unter kontrollierten Bedingungen. Sie sind Werkzeuge zur Entwicklung und zum Vergleich von Strategien, abstrahieren jedoch konsequent vom Menschen als Belastungsträger der Strategie.
3. Backtesting – Vergangenheit ohne Unsicherheit Backtests wenden Strategien rückwirkend auf historische Daten an. Sie liefern statistische Plausibilität und Konsistenz, operieren jedoch ohne Ungewissheit, ohne Entscheidungszeitpunkte und ohne reale Umsetzungssituation.
4. Echtgeldhandel – Entscheidung unter realem Wert Erst im Echtgeldhandel wirken reale Wertbindung, Verlustaversion, psychologischer Druck und Irreversibilität zusammen. Hier zeigt sich nicht nur, ob eine Strategie funktioniert, sondern ob sie getragen werden kann.
Ein Track Record ist die dokumentierte historische Entwicklung einer Handels- oder Investmentstrategie über einen definierten Zeitraum. Er fasst Ergebnisse in Kennzahlen, Kurven und Zeitreihen zusammen und dient dazu, Leistungsfähigkeit sichtbar zu machen. Seine Überzeugungskraft entsteht aus drei Elementen:
Damit wirkt ein Track Record objektiv, vergleichbar und überprüfbar. Er erscheint als empirischer Nachweis dafür, dass eine Strategie „funktioniert hat“.
Ein Track Record beantwortet eine klar begrenzte Frage: Wie hat sich eine Strategie unter bestimmten Bedingungen in der Vergangenheit entwickelt?
Er zeigt:
Er beantwortet nicht:
Ein Track Record ist damit eine Beschreibung historischer Ergebnisse, keine Erklärung ihres Entstehens und kein Versprechen für die Zukunft.
Performance-Darstellungen suggerieren Vergleichbarkeit, weil sie unterschiedliche Strategien auf gemeinsame Kennzahlen reduzieren. Dabei wird oft übersehen, dass diese Kennzahlen aus unterschiedlichen Erkenntnisräumen stammen können.
Ein Track Record kann basieren auf:
Äußerlich sehen diese Darstellungen identisch aus. Innerlich unterscheiden sie sich fundamental. Ohne Kontext entsteht der Eindruck, Ergebnisse seien direkt vergleichbar – obwohl sie unter unterschiedlichen Realitätsbedingungen entstanden sind.
Performance-Darstellungen unterliegen systematischen Effekten, unabhängig von Absicht oder Qualität:
Diese Effekte entstehen nicht durch Manipulation, sondern durch die notwendige Vereinfachung historischer Daten.
Ein Track Record misst Ergebnisse – nicht Belastung.
Er zeigt nicht:
Damit fehlt eine zentrale Dimension: die menschliche Umsetzung unter realem Wert.
Eine Performance kann historisch überzeugend sein und dennoch auf Annahmen beruhen, die real nicht durchhaltbar sind – etwa lange Verlustphasen, hohe Volatilität oder seltene, aber extreme Risiken.
Track Records sollten als Einordnungsinstrumente, nicht als Beweise verstanden werden.
Sie eignen sich:
Sie eignen sich nicht:
Die entscheidende Bewertungsfrage lautet daher nicht: Wie gut ist diese Performance? sondern: Unter welchen Bedingungen ist sie entstanden – und welche davon gelten heute nicht mehr?
Track Records sind sinnvoll, wenn:
Problematisch werden sie, wenn:
Auch hier entscheidet nicht die Darstellung selbst, sondern der Anspruch, der an sie gestellt wird.
1. Herkunft & Erkenntnisraum
Wo ist der Track Record entstanden?
☐ Echtgeldhandel
☐ Demokonto
☐ Simulation
☐ Backtest
☐ Mischform (bitte erläutert)
Einordnung: Ergebnisse aus unterschiedlichen Erkenntnisräumen sind nicht direkt vergleichbar, auch wenn sie gleich dargestellt werden.
2. Zeitraum & Marktphase
Welche Marktbedingungen deckt der Zeitraum ab?
☐ Mehrere Marktphasen (Trend, Seitwärts, Stress)
☐ Nur ausgewählte Phasen
☐ Unklar / nicht erläutert
Einordnung: Ein begrenzter Zeitraum sagt mehr über die Phase als über die Strategie.
3. Kontinuität & Unterbrechungen
Ist der Verlauf durchgehend dokumentiert?
☐ Lückenlos
☐ Unterbrochen (z. B. Neustarts, Reset)
☐ Nicht nachvollziehbar
Einordnung: Unterbrechungen verändern die Aussagekraft erheblich – unabhängig vom Ergebnis.
4. Risikodarstellung
Wird Risiko explizit und nachvollziehbar dargestellt?
☐ Maximaler Drawdown klar benannt
☐ Volatilität / Schwankungsbreite sichtbar
☐ Positionsgrößen nachvollziehbar
☐ Risiko nur implizit oder gar nicht dargestellt
Einordnung: Ertrag ohne Kontext zum Risiko ist keine Information.
5. Verlustphasen & Belastung
Sind Verlustphasen transparent erkennbar?
☐ Dauer und Tiefe sichtbar
☐ Häufigkeit erkennbar
☐ Psychologische Belastung zumindest indirekt ableitbar
☐ Verlustphasen werden verkürzt oder geglättet
Einordnung: Nicht die Höhe des Gewinns, sondern die Tragfähigkeit der Verlustphasen entscheidet über Umsetzbarkeit.
6. Regelwerk & Umsetzung
Ist klar, wie die Ergebnisse entstanden sind?
☐ Regeln definiert
☐ Entscheidungslogik nachvollziehbar
☐ Abweichungen erläutert
☐ Black-Box-Darstellung
Einordnung: Ein Track Record ohne Regelkontext ist eine Zahl, keine Strategie.
7. Menschliche Dimension
Ist der menschliche Faktor erkennbar berücksichtigt?
☐ Echtgeldumsetzung
☐ Hinweise auf Disziplin & Belastung
☐ Umgang mit Drawdowns beschrieben
☐ Mensch vollständig abstrahiert
Einordnung: Ergebnisse ohne menschliche Umsetzung sagen nichts über reale Tragfähigkeit aus.
8. Übertragbarkeit
Für wen soll dieser Track Record aussagekräftig sein?
☐ Für genau diese Person / dieses Setup
☐ Für vergleichbare Risikoprofile
☐ Allgemein
☐ Unklar
Einordnung: Performance ist nicht universell – sie ist kontextabhängig.
9. Erwartungsmanagement
Wie wird der Track Record eingeordnet?
☐ Als historische Information
☐ Als Lern- oder Analysebeispiel
☐ Als Erfolgsnachweis
☐ Implizites Leistungsversprechen
Einordnung: Die größte Verzerrung entsteht nicht durch Zahlen, sondern durch Erwartungen.
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