Risikomanagement zeigt seine Qualität erst dort, wo Verluste real, schmerzhaft und existenziell relevant sind. Demo- und Micro-Konten eliminieren genau jene Stressoren, für die professionelles Risikomanagement überhaupt entwickelt wurde.
1. Kapitaldimension: Risiko ist eine Funktion von Relevanz, nicht von Prozenten Risikomanagement wird oft fälschlich als reine Prozentrechnung verstanden (z. B. „1 % Risiko pro Trade“). In der Praxis ist Risiko jedoch relational:
Die mathematische Logik ist identisch, die psychologische und operative Konsequenz nicht. Konsequenz:
Risikomanagement ist genau für diese zweite Situation konzipiert.
2. Psychologisches Risiko: Der größte Risikofaktor fehlt vollständig
In Demo- und Micro-Konten fehlen zentrale Stressoren:
Problem:
Risikomanagement unter realen Bedingungen adressiert primär Verhaltensrisiken, nicht Marktvolatilität:
All diese Effekte treten erst bei echtem Schmerz zuverlässig auf.
3. Margin & Hebel: Asymmetrien, die im Demo-Kontext verzerrt wirken
Sobald Hebel oder Margin ins Spiel kommen, ändern sich die Spielregeln:
In Demo-Umgebungen:
Ergebnis: Ein vermeintlich „sauber gemanagtes“ Risiko existiert nur unter Laborbedingungen.
4. Zeitdimension: Risiko akkumuliert – Demokonten isolieren Zeit
Risikomanagement wirkt nicht trade-weise, sondern über Zeit:
Micro-Konten werden häufig:
In der Realität hingegen gilt:
:: Man trägt seine Verluste weiter – mental, finanziell und strukturell.
5. Fehlanreiz-Struktur: Demo-Setups belohnen falsches Verhalten
Demo- und Micro-Konten erzeugen systematische Verzerrungen:
| Verzerrung | Wirkung |
| Verlust ist folgenlos | höhere Risikobereitschaft |
| Reset-Option | keine Lernkurve |
| „Spielgeld-Mentalität“ | Regelbrüche ohne Sanktion |
| Fokus auf Trefferquote | Vernachlässigung von Drawdowns |
Das scheinbar gute Risikomanagement ist oft nur ein Artefakt der Umgebung.
6. Professioneller Maßstab: Risikomanagement ist Stress-Engineering
In professionellen Kontexten (Prop Trading, Asset Management, Family Offices) gilt:
:: Risikomanagement ist kein Schutz vor Märkten – sondern vor dem eigenen Verhalten unter Stress.
Demo-Setups entfernen genau diesen Stress. Damit testen sie nicht Risikomanagement, sondern Strategiemechanik.
7. Präzise Abgrenzung
Demo- & Micro-Konten sind sinnvoll für:
Sie sind ungeeignet für:
Wer Risikomanagement nur im Demo testet, testet das System – nicht sich selbst. Und genau dort liegt das eigentliche Risiko.
Laborversuch vs. Hochseeschifffahrt
Das Labor
Ein Demo- oder Micro-Konto ist wie ein Laborversuch:
Man testet dort:
Nicht aber:
Die Hochsee
Ein reales, kapitalrelevantes Trading-Setup gleicht der Hochseeschifffahrt:
Hier zeigt sich:
Der entscheidende Unterschied Seemannschaft beweist sich nicht im Hafen. Und Risikomanagement nicht im Labor. Ein Schiff, das im Hafen perfekt manövriert wird, ist nicht automatisch hochseetauglich. Genauso ist ein Risikokonzept, das im Demo funktioniert, kein Beweis für Belastbarkeit unter realen Bedingungen.
Übertragung auf Trading
| Labor (Demo/Micro) | Hochsee (Real/Margin) |
| Verlust folgenlos | Verlust schmerzhaft |
| Reset jederzeit | Historie bleibt |
| Stressfrei | Verhalten dominiert |
| Technik im Fokus | Disziplin im Fokus |
q.e.d:
Risikomanagement ist keine Schwimmprüfung im Becken – sondern Überlebensfähigkeit im offenen Meer.
Auf den ersten Blick unterscheiden sich Demokonten und Echtgeldkonten kaum. Kurse, Charts, Ordertypen, Handelsoberflächen und Auswertungen folgen denselben Regeln. Technologisch und markttechnisch operieren beide Umgebungen nahezu identisch.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht im System, sondern außerhalb davon.
Während ein Demokonto ausschließlich mit abstrakten Zahlen arbeitet, ist ein Echtgeldkonto unmittelbar mit einem realen Vermögenswert verknüpft. Dieser Vermögenswert steht für tatsächlich geschaffenen oder zukünftig nutzbaren Wert. Er ist nicht neutral, sondern bedeutungstragend.
Damit entsteht eine grundlegende Differenz:
Entscheidungen im Echtgeldhandel haben reale Konsequenzen. Entscheidungen im Demohandel nicht.
Diese Konsequenz wirkt nicht technisch, sondern psychologisch. Sie verändert Wahrnehmung, Motivation und Verhalten – selbst dann, wenn alle äußeren Rahmenbedingungen identisch erscheinen. Der Unterschied zwischen Demo- und Echtgeldhandel ist daher kein Detail und keine Feinjustierung, sondern der Übergang zwischen zwei unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen, die äußerlich gleich aussehen, innerlich aber völlig unterschiedlich wirken.
Ja.
Moderne Simulationsumgebungen (DEMO, Paper-, Sandbox-Trading) bilden die technischen und markttechnischen Rahmenbedingungen des Handels in der Regel sehr realitätsnah ab. Kursstellungen, Chartverläufe, Orderarten, Handelslogiken und Auswertungen folgen denselben Mechanismen wie im Echtgeldhandel.
Gerade diese technische Nähe ist jedoch der Grund, weshalb Demokonten häufig als vollständig vergleichbar wahrgenommen werden. Die realistische Abbildung erzeugt den Eindruck, dass identische Entscheidungen unter identischen Bedingungen auch zu identischen Ergebnissen führen müssten. Auf dieser Annahme baut die verbreitete Vorstellung auf, Demohandel sei eine verlässliche Generalprobe für den Echtgeldhandel.
Diese Schlussfolgerung greift jedoch zu kurz. Denn technische Realitätsnähe bedeutet nicht automatisch verhaltensbezogene Realitätsnähe. Ein System kann objektiv korrekt funktionieren und dennoch ein anderes Entscheidungsverhalten hervorrufen, wenn eine zentrale Wirkkomponente fehlt. Demokonten sind deshalb nicht unrealistisch – sie sind unvollständig, bezogen auf die menschliche Entscheidungsebene.
Die Abweichung entsteht nicht durch fehlerhafte Marktabbildung, sondern durch das Fehlen einer realen Wertbindung, die erst im Echtgeldhandel wirksam wird.
Demokonten fehlt nicht die Marktrealität, sondern der Bezug zu einem realen Vermögenswert.
Im Demohandel bewegen sich Zahlen ausschließlich innerhalb eines geschlossenen Systems. Gewinne und Verluste bleiben abstrakt. Sie lassen sich beobachten, vergleichen und auswerten – aber sie stehen für keinen tatsächlich geschaffenen oder verlorenen Wert außerhalb der Handelsoberfläche.
Echtgeld hingegen ist immer mehr als eine Zahl. Es ist das Ergebnis von Wertschöpfung oder die Voraussetzung für zukünftige Verwendungsmöglichkeiten. Es steht in Beziehung zu realen Alternativen: Konsum, Sicherheit, Freiheit, Rücklagen oder Zeit. Diese Beziehung existiert unabhängig vom Handel selbst. Genau diese Verbindung fehlt im Demokonto vollständig.
Damit entfällt ein zentraler Wirkfaktor: Die Entscheidung ist nicht an einen realen Verlust oder Gewinn rückgekoppelt. Ohne diese Rückkopplung verändert sich die Bedeutung einer Handlung. Eine Entscheidung kann formal korrekt sein, ohne subjektiv relevant zu werden. Risiken bleiben theoretisch, Konsequenzen folgenlos. Demokonten simulieren daher Entscheidungen, aber sie simulieren nicht deren Bedeutung.
Diese fehlende Wertbindung ist kein technisches Defizit, sondern eine strukturelle Eigenschaft. Sie erklärt, warum identische Marktbedingungen zu einem anderen Verhalten führen können – selbst bei identischem Wissen und identischer Erfahrung.
Geld ist kein neutraler Rechenwert. Es fungiert als Träger realer Bedeutung.
Jeder reale Geldbetrag steht entweder für bereits erbrachte Wertschöpfung oder für konkrete zukünftige Möglichkeiten. Er ist wandelbar und anschlussfähig an die reale Lebenswelt – unabhängig vom Handel selbst. Genau diese Anschlussfähigkeit verleiht Entscheidungen mit Echtgeld ein anderes Gewicht.
Mit der Einbindung von Echtgeld entsteht eine mentale Beziehung, die über das reine Ergebnis hinausgeht. Entscheidungen werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern im Kontext möglicher Konsequenzen bewertet. Dadurch verändert sich nicht nur das Ergebnis, sondern bereits der Entscheidungsprozess selbst. Dieser Effekt ist nicht erlernt und nicht bewusst steuerbar. Er entsteht automatisch, sobald ein realer Wert betroffen ist. Der Handel wird dadurch nicht emotionaler, sondern verbindlicher.
Im Demohandel fehlt diese Verbindlichkeit. Entscheidungen bleiben korrekt oder inkorrekt, erfolgreich oder erfolglos – aber sie bleiben folgenlos. Die Handlung endet an der Oberfläche des Systems. Im Echtgeldhandel hingegen wirkt jede Entscheidung über das System hinaus. Sie ist eingebettet in eine reale Wertkette und damit psychologisch wirksam. Geld verändert Entscheidungen daher nicht, weil Menschen irrational handeln, sondern weil reale Werte das Handeln strukturieren.
Verlustaversion ist kein persönliches Merkmal und keine Schwäche. Sie ist ein grundlegender Mechanismus menschlicher Entscheidungsfindung. Menschen gewichten potenzielle Verluste systematisch stärker als gleich hohe Gewinne. Dieser Effekt wirkt nicht abstrakt, sondern unmittelbar – allerdings nur dann, wenn ein realer Wert betroffen ist.
Im Echtgeldhandel ist diese Bedingung erfüllt. Ein Verlust bedeutet nicht lediglich eine negative Zahl, sondern den tatsächlichen Wegfall eines Vermögenswerts. Dieser Wegfall ist irreversibel und steht in direkter Konkurrenz zu realen Alternativen. Genau dadurch entsteht Entscheidungsdruck.
Im Demohandel fehlt diese Voraussetzung vollständig. Ein Verlust hat keine Konsequenz außerhalb des Systems. Er verändert keine Möglichkeiten, keine Sicherheit, keine Handlungsoptionen. Entsprechend bleibt auch die Verlustaversion wirkungslos.
Das hat weitreichende Folgen:
Diese Unterschiede sind nicht zufällig und nicht individuell erklärbar. Sie entstehen aus der Abwesenheit realer Verlustfolgen. Verlustaversion bestimmt daher nicht nur das Ergebnis eines Trades, sondern die gesamte Struktur des Entscheidungsverhaltens. Fehlt sie, verschiebt sich die innere Logik des Handelns – selbst bei identischem Wissen, identischer Erfahrung und identischem Marktzugang. Demohandel bildet somit Entscheidungen ohne den zentralen Steuerungsmechanismus ab, der im Echtgeldhandel wirksam ist.
Demokonten liefern valide Informationen – jedoch nur innerhalb ihres eigenen Bezugsrahmens.
Sie zeigen, wie Entscheidungen unter technisch korrekten Marktbedingungen getroffen werden, ohne reale Wertbindung und ohne wirksame Verlustaversion. Damit bilden sie eine spezifische Form des Handelns ab, nicht jedoch den Handel in seiner vollständigen Realität.
Die Ergebnisse aus Demokonten sind daher nicht falsch, aber kontextgebunden. Sie lassen Rückschlüsse auf Verständnis, Systembedienung, Regelkenntnis und grundlegende Entscheidungslogik zu. Aussagen über Verhalten unter realem Entscheidungsdruck lassen sich daraus jedoch nur eingeschränkt ableiten.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Genauigkeit der Simulation, sondern die fehlende Übertragbarkeit der inneren Entscheidungsdynamik.
Demohandel beantwortet die Frage: Wie würde gehandelt, wenn Entscheidungen keine realen Konsequenzen hätten?
Echtgeldhandel beantwortet eine andere Frage: Wie wird gehandelt, wenn jede Entscheidung an einen realen Wert gekoppelt ist?
Beide Antworten sind legitim – aber sie sind nicht deckungsgleich. Die Aussagekraft von Demokonten liegt daher nicht in der Prognose realen Handelns, sondern in der isolierten Betrachtung einzelner Fähigkeiten unter wertfreier Bedingung. Wer diese Grenze erkennt, kann Demokonten sinnvoll nutzen. Wer sie ignoriert, riskiert falsche Schlussfolgerungen.
Nein. Demokonten sind nicht nutzlos – ihr Wert ergibt sich aus dem jeweiligen Verwendungszweck.
Ob ein Demokonto sinnvoll ist, hängt nicht von seiner technischen Qualität ab, sondern davon, wofür und mit welcher Motivation es eingesetzt wird. Für bestimmte Zwecke sind Demokonten gut geeignet:
In diesen Kontexten erfüllen Demokonten ihren Zweck zuverlässig. Sie erlauben Lernen ohne Konsequenzen und bieten einen geschützten Rahmen zur Orientierung.
Für andere Fragestellungen sind Demokonten jedoch ungeeignet:
Hier entsteht häufig ein Missverständnis. Nicht, weil Demokonten falsche Ergebnisse liefern, sondern weil sie für eine Frage genutzt werden, die sie strukturell nicht beantworten können.
Wer verstehen will, wie er selbst unter realen Bedingungen handelt, benötigt eine Umgebung mit realer Wertbindung.
Demokonten und Echtgeldkonten sind somit keine Vorstufen desselben Prozesses, sondern Werkzeuge für unterschiedliche Erkenntnisziele. Erst wenn der Zweck klar ist, lässt sich ihr Nutzen sinnvoll bewerten.
Simulierte Umgebungen bieten einen kontrollierten Rahmen, in dem Handelsstrategien ohne reale Konsequenzen entwickelt, getestet und angepasst werden können. Sie erlauben es, komplexe Marktmechanismen zu analysieren, Hypothesen zu prüfen und Zusammenhänge sichtbar zu machen, ohne dabei reales Kapital zu riskieren.
Gerade diese Konsequenzfreiheit macht Simulationen attraktiv. Sie ermöglichen eine hohe Iterationsgeschwindigkeit, systematische Variation von Parametern und den direkten Vergleich unterschiedlicher Ansätze. Fehler sind reversibel, Anpassungen jederzeit möglich, und Ergebnisse lassen sich isoliert betrachten.
Simulationen schaffen damit einen Entwicklungsraum, der auf Funktionalität und Logik fokussiert ist. Sie beantworten die Frage, ob eine Strategie unter gegebenen Annahmen grundsätzlich funktionieren kann – unabhängig davon, ob und wie sie später real umgesetzt wird.
Dieser Ansatz ist weder ungewöhnlich noch problematisch. Im Gegenteil: Für die Entwicklung, das Verständnis und die Strukturierung von Handelsideen sind simulierte Umgebungen ein legitimes und häufig unverzichtbares Werkzeug.
Gleichzeitig ist damit eine grundlegende Eigenschaft verbunden: Strategien entstehen in einem Umfeld, in dem reale Konsequenzen bewusst ausgeklammert sind. Diese Rahmenbedingung prägt die Art der Optimierung, die Gewichtung von Risiken und die Kriterien, nach denen eine Strategie als „funktionierend“ bewertet wird.
Damit ist der Ausgangspunkt klar definiert: Simulationen beantworten eine wichtige, aber klar abgegrenzte Fragestellung.
Simulierte Umgebungen bieten bei der Entwicklung von Handelsstrategien eine Reihe klarer Vorteile, die in realen Märkten so nicht oder nur eingeschränkt verfügbar wären.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kontrollierbarkeit. Marktbedingungen, Parameter und Annahmen lassen sich gezielt variieren, ohne dass externe Faktoren wie Kapitalrestriktionen oder emotionale Belastung den Entwicklungsprozess beeinflussen. Dadurch können Zusammenhänge isoliert betrachtet und systematisch analysiert werden.
Hinzu kommt die hohe Iterationsgeschwindigkeit. Strategien lassen sich in kurzer Zeit anpassen, verwerfen oder weiterentwickeln. Hypothesen können schnell überprüft werden, ohne dass reale Verluste oder operative Konsequenzen entstehen. Dieser schnelle Feedback-Zyklus ist insbesondere in frühen Entwicklungsphasen von hohem Wert.
Simulationen ermöglichen zudem eine klare Ergebnisfokussierung. Kennzahlen wie Trefferquote, Erwartungswert, Drawdown oder Volatilität lassen sich objektiv vergleichen. Dadurch entsteht Transparenz darüber, welche Ansätze unter den gewählten Annahmen rechnerisch überlegen sind.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Abstraktion vom Umsetzungsdruck. Da kein reales Kapital betroffen ist, kann die Aufmerksamkeit vollständig auf Logik, Struktur und Regelwerk der Strategie gerichtet werden. Das erleichtert das Verständnis komplexer Mechanismen und fördert analytische Klarheit.
In dieser Funktion sind Simulationen ein leistungsfähiges Werkzeug: Sie schaffen Ordnung, ermöglichen Vergleichbarkeit und unterstützen die systematische Entwicklung von Handelsideen.
Gleichzeitig definieren diese Vorteile auch den Rahmen, in dem Simulationen wirken. Sie optimieren Strategien innerhalb eines Umfelds, das bewusst von realen Konsequenzen entkoppelt ist. Diese Eigenschaft ist kein Nachteil – sie ist die Voraussetzung für ihre Stärken.
Simulierte Umgebungen erzeugen keine zufälligen Verzerrungen, sondern strukturelle Verschiebungen, die direkt aus ihrer Konsequenzfreiheit resultieren. Diese Effekte sind nicht vermeidbar und auch nicht personenbezogen – sie entstehen unabhängig von Erfahrung, Disziplin oder Fachkenntnis.
Eine zentrale Verschiebung betrifft die Risikostruktur.
In der Simulation bleiben Verluste folgenlos. Drawdowns sind rechnerische Größen, keine realen Einschnitte. Dadurch erscheinen Risikoparameter akzeptabel, die unter realen Bedingungen psychologisch oder operativ nicht tragfähig wären.
Auch der Zeithorizont verändert sich.
Durchhaltephasen kosten nichts. Lange Verlustserien erfordern keine Rechtfertigung, kein Aushalten, keine Entscheidung unter Druck. Strategien können auf Geduld optimiert werden, ohne dass geprüft wird, ob diese Geduld realistisch aufrechterhalten werden kann.
Hinzu kommt eine Verschiebung in der Optimierungslogik.
Simulationen begünstigen Strategien, die rechnerisch überzeugen. Kennzahlen rücken in den Vordergrund, während Aspekte wie mentale Belastbarkeit, Entscheidungsdisziplin oder Handlungsroutine keine Rolle spielen. Die Strategie wird für Stabilität im Modell optimiert, nicht für Stabilität im Menschen.
Ein weiterer Effekt betrifft den Selektionsdruck.
In simulierten Umgebungen setzen sich Strategien durch, die unter idealisierten Bedingungen gut aussehen. Strategien, die zwar robuster, aber weniger spektakulär sind, werden seltener weiterverfolgt. Die Auswahl folgt rechnerischer Attraktivität, nicht praktischer Tragfähigkeit.
Diese Verzerrungen sind kein Fehler der Simulation. Sie sind die logische Folge eines Entwicklungsraums, in dem reale Konsequenzen bewusst ausgeklammert sind. Simulationen formen Strategien daher nicht neutral. Sie formen Strategien für eine bestimmte Wirklichkeit – eine Wirklichkeit ohne reale Belastung, ohne psychologischen Druck und ohne irreversible Konsequenzen.
Eine funktionierende Strategie ist eine Strategie, die unter definierten Bedingungen ein positives rechnerisches Ergebnis erzielt. Sie erfüllt formale Kriterien, folgt klaren Regeln und zeigt in Simulationen oder Backtests statistisch belastbare Resultate.
Eine tragfähige Strategie geht darüber hinaus. Tragfähigkeit beschreibt nicht, ob eine Strategie funktioniert, sondern ob sie unter realen Bedingungen dauerhaft umgesetzt werden kann. Diese Unterscheidung ist zentral, weil sie zwei unterschiedliche Ebenen adressiert.
Eine funktionierende Strategie ist systembezogen.
Eine tragfähige Strategie ist menschenbezogen.
Im realen Handel wird eine Strategie nicht nur ausgeführt, sondern ausgehalten. Sie muss über Phasen hinweg umgesetzt werden, in denen Ergebnisse ausbleiben, Verluste auftreten oder Unsicherheit dominiert. In diesen Phasen entscheidet nicht die Logik der Strategie, sondern die Fähigkeit, ihr konsequent zu folgen.
Simulationen prüfen Funktionalität.
Sie prüfen nicht, ob eine Strategie:
Eine Strategie kann daher rechnerisch korrekt sein und dennoch praktisch scheitern, weil sie den Menschen überfordert, der sie umsetzen soll. Tragfähigkeit entsteht erst dort, wo Regelwerk, Risiko, Zeitverlauf und menschliche Belastbarkeit miteinander in Einklang stehen. Diese Dimension lässt sich nicht simulieren, sondern nur unter realer Wertbindung erfahren.
Der Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer tragfähigen Strategie ist somit kein Qualitätsurteil, sondern eine Ebenenfrage: Die eine beantwortet eine mathematische Fragestellung, die andere eine reale.
Im realen Handel ist der Mensch kein externer Einflussfaktor, sondern ein integraler Bestandteil der Strategie. Jede noch so klar definierte Regelstruktur entfaltet ihre Wirkung erst durch konsequente Umsetzung – und diese Umsetzung ist untrennbar an menschliche Wahrnehmung, Belastbarkeit und Entscheidungsfähigkeit gebunden.
Während Simulationen Strategien isoliert von ihrer Anwendung betrachten, verbindet der Echtgeldhandel Regelwerk und Handlung unauflöslich miteinander. Entscheidungen werden nicht nur getroffen, sondern verantwortet. Jede Abweichung, jedes Zögern und jede Anpassung hat reale Konsequenzen.
Der Mensch fungiert dabei nicht als Störgröße, sondern als Träger der Strategie. Er entscheidet:
Diese Faktoren lassen sich nicht aus dem Regelwerk herauslösen. Sie bestimmen, ob eine Strategie in der Praxis Bestand hat oder nicht.
In simulierten Umgebungen bleibt diese Dimension unsichtbar.
Regeln werden immer befolgt, Stops immer gesetzt, Parameter immer exakt eingehalten. Die Strategie existiert losgelöst von Ermüdung, Zweifel oder Erwartungsdruck.
Im realen Handel hingegen verschmelzen Strategie und Mensch zu einer Einheit. Die Qualität des Ergebnisses hängt nicht nur von der Logik der Strategie ab, sondern von der Fähigkeit des Menschen, sie unter realen Bedingungen konsequent umzusetzen. Eine Strategie ist daher nicht nur ein technisches Konstrukt. Sie ist ein Belastungsmodell, das den Menschen mit einschließt.
Simulierte Strategien liefern belastbare Erkenntnisse – jedoch nur innerhalb des Rahmens, in dem sie entstanden sind.
Sie zeigen, ob ein Regelwerk unter definierten Annahmen rechnerisch konsistent ist, wie es sich unter bestimmten Marktbedingungen verhält und welche statistischen Eigenschaften es aufweist. In dieser Funktion sind sie wertvoll und notwendig.
Ihre Aussagekraft endet jedoch dort, wo reale Umsetzbarkeit beginnt.
Eine simulierte Strategie beantwortet nicht die Frage, ob sie unter realem Entscheidungsdruck dauerhaft eingehalten werden kann. Sie trifft keine Aussage darüber, ob ihre Risikostruktur mental tragfähig ist, ob Verlustphasen durchgehalten werden oder ob Abweichungen vom Regelwerk wahrscheinlich werden.
Für die Bewertung simulierter Strategien bedeutet das:
Gute Kennzahlen sind ein Startpunkt, kein Beweis
Stabilität im Modell ist kein Garant für Stabilität in der Umsetzung
Funktionalität ersetzt keine Tragfähigkeit
Simulierte Strategien sind daher keine Prognosen realer Ergebnisse, sondern Modelle unter vereinfachten Bedingungen. Sie beschreiben Möglichkeiten, nicht Gewissheiten.
Wer sie bewertet, sollte deshalb nicht fragen: Wie gut sieht diese Strategie aus?
sondern: Unter welchen Bedingungen ist dieses Ergebnis entstanden – und welche davon fehlen in der Realität?
Erst mit dieser Einordnung behalten simulierte Ergebnisse ihren Wert, ohne falsche Sicherheit zu erzeugen.
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