Woran erkennt man problematische Intransparenz?
1. Unklare Akteure
Warnsignal: Verantwortung ist nicht eindeutig zuordenbar.
2. Intransparente Monetarisierung
Warnsignal: Interessen lassen sich nicht bewerten.
3. Performance ohne Herkunft
Warnsignal: Zahlen wirken objektiv, sind aber kontextlos.
4. Aktivierung statt Einordnung
Warnsignal: Verhalten wird ausgelöst, nicht reflektiert.
5. Demo-Ergebnisse als Leistungsnachweis
Warnsignal: Realität wird durch Simulation ersetzt.
6. Blackbox-Strategien
Warnsignal: Kontrolle wird abgegeben, ohne Einblick zu erhalten.
7. (Fin)Influencer ohne Offenlegung
Warnsignal: Vertrauen wird emotional erzeugt, nicht inhaltlich begründet.
8. Ergebnisorientierte Sprache
Fokus fast ausschließlich auf Gewinnen
Risiken nur pauschal oder formal erwähnt
Drawdowns werden verharmlost oder ausgeblendet
Warnsignal: Erwartungsmanagement fehlt.
9. Verantwortung
Warnsignal: Asymmetrische Risikozuordnung.
10. „Zu einfach, um wahr zu sein“
Warnsignal: Realität wird systematisch ausgeblendet.
Je weniger sichtbar ist, wer entscheidet, wer profitiert und wer Risiken trägt, desto größer ist die Informationsasymmetrie.
1. Affiliate-Modell
Vergütung pro Weiterleitung oder Abschluss
Wie funktioniert das?
Der Finfluencer erhält eine Vergütung, wenn Nutzer über einen personalisierten Link:
Die Bezahlung erfolgt typischerweise:
Warum ist das attraktiv?
Einfach umsetzbar Skalierbar mit Reichweite Unabhängig vom tatsächlichen Handelserfolg der Nutzer
Wo liegt der Interessenkonflikt?
Der wirtschaftliche Anreiz liegt vor der eigentlichen Nutzung: Motivation zur Aktivierung, nicht zur Eignungsprüfung Erfolg des Modells hängt nicht davon ab, ob Nutzer langfristig profitieren
Kritische Einordnung
Affiliate-Modelle belohnen Überzeugungskraft, nicht Ergebnisqualität. Je emotionaler und vereinfachender die Darstellung, desto höher oft die Conversion.
2. Provisionsmodell auf laufende Umsätze
Vergütung abhängig von Aktivität oder Volumen
Wie funktioniert das?
Der Finfluencer erhält:
Solange der geworbene Nutzer aktiv handelt, fließt Vergütung.
Warum ist das attraktiv?
Wo liegt der Interessenkonflikt?
Hier entsteht ein direkter Zielkonflikt:
Inaktivität ist aus Nutzersicht oft rational – aus Provisionssicht jedoch wirtschaftlich nachteilig.
Kritische Einordnung
Dieses Modell begünstigt: häufiges Handeln permanente Marktpräsenz geringe Hemmschwellen Nicht, weil es bessere Ergebnisse liefert, sondern weil Aktivität selbst monetarisiert wird.
3. „Orderbuch-Share“ / Flow-basierte Beteiligung
Vergütung über Orderfluss oder indirekte Markteffekte
Wie funktioniert das? Dieses Modell ist weniger sichtbar, aber strukturell relevant.
Der Finfluencer profitiert indirekt, wenn:
Die Vergütung erfolgt nicht immer explizit pro Nutzer, sondern über:
Warum ist das attraktiv?
Wo liegt der Interessenkonflikt?
Der Nutzer glaubt, einer Strategie oder Meinung zu folgen. Tatsächlich wird sein Orderverhalten ökonomisch verwertet, ohne dass:
eine Rolle spielen.
Kritische Einordnung
Dieses Modell verschiebt den Fokus vollständig: vom Outcome des Nutzers hin zur Verwertbarkeit seines Verhaltens Für Außenstehende ist dieser Mechanismus meist nicht erkennbar.
Diese hier genannten Konstellationen in Bezug auf die jeweiligen Modelle sind nicht illegal und nicht per se problematisch.
Problematisch werden sie dann, wenn:
Der Nutzer beurteilt Inhalte nach ihrer Aussage –
der Anbieter wird nach ihrer Wirkung vergütet. Das ist der Kern der Informationsasymmetrie.
Faustformel: Wenn Vergütung an Aktivierung, Volumen oder Orderfluss gekoppelt ist, sollte jede Empfehlung auch als Geschäftsmodell gelesen werden.
Interessenskonflikt-mildernd ist, wenn die Entscheidungsfindung eines Interessenten
Warum ist es wichtig, Provisionsmodelle zu erkennen?
Provisionsmodelle beeinflussen, wie Inhalte entstehen und wie sie präsentiert werden. Wer die wirtschaftlichen Anreize hinter Empfehlungen kennt, kann Aussagen besser einordnen – unabhängig davon, ob die Empfehlung gut gemeint oder fachlich korrekt ist.
Es geht nicht darum, Inhalte zu diskreditieren, sondern darum, Interessen sichtbar zu machen.
Woran erkennt man Affiliate-Modelle?
Affiliate-Modelle lassen sich häufig an folgenden Merkmalen erkennen:
Typisch ist:
Die Empfehlung endet vor der eigentlichen Nutzung.
Einordnung: Der wirtschaftliche Anreiz liegt im Abschluss – nicht im langfristigen Erfolg.
Woran erkennt man volumen- oder aktivitätsabhängige Provisionen?
Diese Modelle sind weniger offensichtlich, zeigen sich aber im Ton und der Frequenz der Inhalte:
Einordnung: Wenn Inaktivität kaum vorkommt, ist Aktivität meist wirtschaftlich relevant.
Woran erkennt man Orderbuch- oder Flow-basierte Beteiligungen?
Diese Modelle sind für Nutzer am schwersten zu erkennen, da sie selten offen kommuniziert werden. Indirekte Hinweise können sein:
Die Empfehlung wirkt neutral, ist aber strukturell gebunden.
Einordnung: Hier wird nicht das Ergebnis monetarisiert, sondern das Verhalten.
Welche Rolle spielt die Kennzeichnung von Werbung?
Formale Kennzeichnungen wie:
sind rechtlich relevant, aber inhaltlich oft wenig aufschlussreich.
Entscheidend ist nicht dass Werbung vorliegt, sondern:
Einordnung: Transparenz beginnt nicht beim Label, sondern bei der Einordnung.
Warum sind Erfolgsstories ein starkes Indiz?
Erfolgsstories erfüllen mehrere Funktionen:
Sie sind besonders wirksam, wenn:
Einordnung: Wo Storytelling Analyse ersetzt, liegt meist ein monetärer Anreiz vor.
Wie erkennt man fehlende Interessengleichheit?
Ein zentrales Prüfkriterium ist die Frage: Trägt der Empfehlende dasselbe Risiko wie der Folgende?
Warnsignale:
keine klare Aussage zur eigenen Kapitalbindung
Fokus auf Reichweite statt auf Verantwortung
fehlende Aussagen zu eigenen Verlustphasen
Einordnung: Fehlt die Risikogleichheit, besteht strukturelle Asymmetrie.
Gibt es einfache Prüf-Fragen für Nutzer?
Ja. Drei einfache Fragen reichen oft aus:
Womit verdient der Empfehlende Geld?
Wovon profitiert er konkret, wenn ich handle?
Was würde passieren, wenn ich nichts tue?
Je klarer diese Fragen beantwortet werden können, desto geringer ist die Informationsasymmetrie.
Abschließende Einordnung
Nicht jede vergütete Empfehlung ist problematisch. In bestimmten Konstellationen können Vergütungsmodelle ein legitimes und notwendiges Refinanzierungsinstrument darstellen, um neue Produkte, Services oder Initiativen zu entwickeln. Insbesondere dort, wo diese Mittel der Aufklärung, der Wissensvermittlung oder der Entwicklung verbraucherschützender Tools dienen, erfüllen sie eine nachvollziehbare Funktion. Entscheidend ist dabei nicht das Vorhandensein wirtschaftlicher Interessen, sondern die Motivation, mit der sie eingesetzt werden – und der Zweck, dem sie letztlich dienen.
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